Keramik erregt internationales Aufsehen

2012-02-11-ikkg

Von Japan nach Höhr-Grenzhausen, das ist der Weg von Masami Hirohata. Beschritten hat ihn die 27-Jährige der Liebe wegen, der Liebe zum Glas. Sie ist eine von 27 Studierenden aus zehn Ländern am Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Fachhochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen.

„Glas fasziniert mich seit meiner Kindheit“, erzählt sie. Später will sie freischaffende Künstlerin werden, ihren eigenen Stil entwickeln. „Ich mag so etwas Abenteuerliches und Risikoreiches. Das ist mein Weg.“

Masami passt in das kleine FH-Institut in dem überschaubaren Westerwaldort mit seinen knapp 10 000 Einwohnern. „Wir sind Richtung bildende Kunst ausgerichtet und nicht Richtung Design oder Handwerk“, erklärt Institutsleiter Jochen Brandt, der Professor für den Bereich Keramik ist.

Einzigartig in Deutschland

„Dieses Angebot ist einzigartig in Deutschland.“ Das Institut hat schon manche Spur hinterlassen – auch international. 2005 wurden für die Stadt Wien meterhohe Jugendstilvasen rekonstruiert, die nur noch in Fragmenten erhalten waren. Den VIP-Bereich des Düsseldorfer Stadions schmücken Fliesen, die in Höhr-Grenzhausen nach mittelalterlichen Rezepturen hergestellt wurden. Zudem besteht ein Austausch mit der Istanbuler Marmara-Universität, die bekannte US-Künstlerin Catherine Lee zählte schon zu den Gastdozenten.

Angeboten werden an der FH im Westerwald die Abschlüsse Bachelor und Master of Fine Arts sowie die Studienschwerpunkte Freie Kunst Keramik und Freie Kunst Glas. Dass es in Höhr-Grenzhausen, rund 20 Autominuten von Koblenz entfernt, ruhig zugeht, macht „Rico.“, wie sich die Studentin mit Künstlernamen nennt, nichts aus. Die 26-Jährige aus Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern spricht voller Begeisterung von ihrem Werkstoff Glas.

Eine lange Töpfertradition

„Glas ist sinnbildlich für den Menschen, es ist stabil und zerbrechlich“, sagt sie. „Wenn man es richtig behandelt, hält es mehr aus, als man denkt.“

In Höhr-Grenzhausen dreht sich seit jeher alles um Ton, Glas und Keramik. Die Töpfertradition reicht nach Angaben der Stadt dank der reichen Tonlager in der Umgebung bis ins Jahr 1402 zurück, schon Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine keramische Fachschule. Hier sitzen Produzenten von Industriekeramik und die Trinkgefäße-Hersteller Sahm und Rastal, deren Glaskrüge auf vielen Volksfesten gestemmt werden. Es gibt ein Technologie- und Gründerzentrum für keramische Werkstoffe und jährlich einen internationalen Keramikmarkt. Der Ort im Westerwald gilt als das bedeutendste Bildungs- und Forschungszentrum für Keramik in ganz Europa.

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Eine runde Sache: Randolph Capella arbeitet im Institut für Künstlerische Keramik und Glas in Höhr-Grenzhausen an einem Objekt.

Foto: dpa, RZ Koblenz und Region vom Samstag, 11. Februar 2012, Seite 3