Der Reiz liegt in der künstlerischen Vielfalt

2012-02-11-ikkg-b05Die Absolventen des Studiengangs Freie Kunst am Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Fachhochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen zeigen derzeit ihre Abschlussarbeiten im Kunst- und Kulturzentrum b-05 in Montabaur-Horressen. Gerade in der Unterschiedlichkeit der Objekte der einzelnen Absolventen – sei es in der Wahl des verwendeten Materials, des ausgewählten Themas oder der angewandten Techniken – liegt der große Reiz der Ausstellung „Kontraktion – Von Kontrast bis Aktion“. Am Samstag und Sonntag, 11. und 12. Februar, sind die Arbeiten noch in der besonderen Bunker-Atmosphäre des b-05 zu sehen.

Brigitte Wüsters Werke zum Thema „Spielraum“ beschäftigen sich mit den Grenzen und Möglichkeiten der Wahrnehmung und des Handelns. Dabei beschränkte sich Wüster auf die Verwendung des Materials Ton. Dieses findet sie an sich so spannend, dass sie generell auf Glasuren verzichtet. Durch diese Konzentration auf das Wesentlich treten die Plastizität des Tons, seine teils unterschiedliche Farbe und Klang in den Vordergrund. Um die Arbeiten von Brigitte Wüster gänzlich begreifen zu können müssen sie berührt werden, sie laden zum „Spielen“ ein.

Die Annäherung an Géraldine Antons Werk erfolgt über einen Film, der den Zyklus von Geburt und Tod darstellt. Die Grenzen zwischen Realität und Traum verschwimmen darin, die Lichteffekte spiegeln den Herzschlag wider. Die Künstlerin erläutert: „Der Film dient als Einstieg in meine Welt und in den eigenen Körper. Ich war schon immer vom menschlichen Körper, der anatomischen und der psychischen Seite, begeistert.“ Ihre Arbeiten unter dem Titel „Quae pulchritudo deformato oder Die deformierte Schönheit“ zeigen einen faszinierende Verbindung der menschlichen Körperareale. Diese hat Géraldine Anton von der kleinsten Zelle bis zum Knochen zu vollkommen neuen, bizarren Formen zusammengesetzt. Um die gewünschten Effekte wie Anziehung und Ekel zu erzielen, hat Anton viel mit Glasuren gearbeitet. Dadurch wirken die Keramiken sehr lebendig.

Corinna Frahm ließ sich für „List og Nátúr – Kunst und Natur“ von einer Islandreise inspirieren. Durch das Experiment mit Glas und Quarzkeramik entstanden so völlig neue Formen. Wunderschön sind die geblasenen Glaskugeln mit der darin eingeschlossenen Keramik. Andere skurrile Formen entstanden durch das Einschmelzen von Glas. Experimentiert hat Corinna Frahm auch mit Eis. Mit Farbe gefüllte Glasbehälter stellte sie auf eine bedruckte Leinwand. Die Farbgefäße platzten durch den Frost, so entstand ein einmaliges Gemälde.

Thomas Kuhn setzte sich in „Spur–Substanz“ in unterschiedlicher Weise mit dem Bildbegriff auseinander. Außergewöhnlich ist seine Verwendung von flüssigem Schwefel, der im Rahmen wieder erstarrt ein Gemälde mit Reliefcharakter bildet. Ebenfalls innovativ ist seine Zeichnung mit Staub, der durch Lack fixiert wurde und dann – wie zufällig – mit Kratzspuren versehen wurde. Das Kratzen spielt auch in Kuhns Arbeit mit fünf großformatigen Glasscheiben eine zentrale Rolle. Durch unterschiedliche Blickwinkel verändern die Ritzungen auf den Scheiben ihren Charakter. Natalie Simon

Die Abschlussarbeiten sind noch am Samstag, 11. Februar, 11 bis 16 Uhr, und am Sonntag, 12. Februar, 14 bis 16 Uhr im b-05 zu sehen.

Westerwälder Zeitung vom Samstag, 11. Februar 2012, Seite 21