Wo junge Künstler heranreifen

Jubiläum Institut für Künstlerische Keramik und Glas vor 25 Jahren gegründet

Vor 25 Jahren wurde das Institut für Künstlerische Keramik und Glas (IKKG) der Fachhochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen gegründet. In dieser Zeit hat sich die Einrichtung zu einem einzigartigen Ausbildungsstandort für Künstler in Deutschland entwickelt. Derzeit studieren 26 junge Menschen am Institut, im Sommer werden es 30 sein.

Die Studierenden kommen aus elf unterschiedlichen Nationen – ein Beleg einerseits für die Offenheit der Einrichtung, andererseits jedoch auch für das hohe internationale Renommee, das sich das IKKG erworben hat. Als eine der wenigen international hochrangigen Einrichtungen der bildenden Kunst wird ausgesuchtem talentierten Nachwuchs eine umfassende künstlerische Ausbildung mit dem Schwerpunkt moderne Skulptur und den Materialfeldern Keramik und Glas geboten.

Das Institut versteht sich als ein künstlerisches Labor, in dem Wissen und Techniken erhalten, vermittelt und neu erprobt werden. Heißglas steht zur Verfügung, beeindruckende Brennöfen – darunter der einzige in Höhr-Grenzhausen noch erhaltene und nutzbare traditionelle Salzbrandofen sowie ein traditioneller ostasiatischer Ofen auf dem Freigelände – werden betrieben, und unzählige Rohstoffe dienen, neben einer umfangreichen Glasurenbibliothek der materialästhetischen Bildung. Gemeinsam bilden sie die Klaviatur, mit der Studierende und die Dozenten des Instituts gleichermaßen kreativ arbeiten, so Institutsleiter Jochen Brandt.

Das Ziel des Unterrichts formuliert er folgendermaßen: „Die Studierenden sollen individuell nach Talent und Anlagen möglichst breit für den Kunstmarkt aufgestellt werden.“ Großen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung des IKKG haben die zahlreichen Freunde, Partner und Sponsoren, die das Institut von Beginn an unterstützen.

Die Historie des IKKG reicht bis ins Jahr 1972 zurück. Damals begann die Planung für das Institut durch den Keramiker Heiner Balzar in enger Zusammenarbeit mit dem Fotografen Werner Baumann (beide aus Höhr-Grenzhausen). Der Gedanke war, die von Hubert Griemert ehemals geleitet Meisterklasse der Staatlichen Ingenieur- und Werkschule für Keramik wiederzubeleben und mit einem Hochschulabschluss zu versehen. Die enge Verbindung von Handwerk, Technik und Kunst, die sich damals in Höhr-Grenzhauen anbot und bis heute anbietet, sollte bewahrt und zeitgemäß für die Kunst nutzbar gemacht werden.

Die Gründung des Instituts für Künstlerische Keramik, wie es damals noch hieß, als Institut der Fachhochschule Koblenz erfolgte 1987. Ausschlaggebend dafür waren Kultusminister Dr. Georg Gölter, der die Notwendigkeit dieser besonderen Einrichtung erkannte, und dessen Vertrauen in die Initiatoren dieser neu gegründeten Institution.

Die Leiterin und erste Professorin Barbara Stehr baute gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Walter Bunsmann und ausgesuchten Mitarbeitern das Institut auf. Um den Studierenden ein reguläres Hochschuldiplom verleihen zu dürfen und um die Attraktivität und Qualität der künstlerischen Lehre zu steigern, musste eine zweite Professur geschaffen werden. Mit der Entscheidung, diese zweite Professur (zunächst als Stiftungsprofessur) für Heißglas zu vergeben, erhielt das Institut ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Deutschland.

Seit 2000 heißt die Einrichtung Institut für Künstlerische Keramik und Glas. Für die neu geschaffene Glasklasse wurde Ingrid Conrad-Lindig 2000 als Professorin berufen. Barbara Stehr emeritierte 2002 nach 15 Jahren des Aufbaus und der Lehre am Institut. Die Institutsleitung übernahm Ingrid Conrad-Lindig, und Jochen Brandt wurde zum Professor der Keramikklasse berufen. 2005 musste das IKKG seine Lehre auf das neue Bachelor- und Mastersystem umzustellen.

Seit der Erstakkreditierung 2007 darf das IKKG den Absolventen die Titel Bachelor of Fine Arts und Master of Fine Arts verleihen. Damit wurde das Institut auf Augenhöhe mit den führenden Kunstfakultäten Europas gestellt. Seit der Emeritierung Ingrid Conrad-Lindigs 2011 leitet Jens Gussek die Glasklasse.

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 29. Mai 2012, Seite 20, Natalie Simon