Westerwald-Campus bietet Doppel-Master

Neuer Studienabschluss hat Modellcharakter im Land


Mit einem ganz besonderen Master-Studiengang will der Standort Höhr-Grenzhausen der Fachhochschule Koblenz, kurz Westerwald-Campus, in Zukunft noch mehr bei Ingenieurstudenten punkten. Denn ab dem kommenden Wintersemester können Studenten der Fachrichtung „Werkstoffkunde Glas und Keramik“ am Westerwald-Campus in drei Semestern den kooperativen „Master of Engineering“ absolvieren. Kooperativ heißt: Die Universität Koblenz und die Fachhochschule Koblenz arbeiten bei dem Masterstudiengang eng zusammen. Für die Studenten hat dies den Vorteil, dass sie als Master-Absolventen sofort Promotionsrecht erhalten und ihre Doktorarbeit schreiben können.

„Die Kooperation soll Mitte des Jahres offiziell besiegelt werden“, bestätigt Fachrichtungsleiter Prof. Dr. Gernot Klein gegenüber der WZ. Der kooperative Master hat Modellcharakter in Rheinland-Pfalz. „Den Abschluss gibt es in dieser Form bislang nicht“, betont der Campus-Leiter. Klein zeigt sich überzeugt, dass der neue Studienabschluss stark nachgefragt werde. Denn der Masterstudiengang lege den Schwerpunkt der Ausbildung auf besonders innovative und von der Industrie gefragte Bereiche wie etwa Werkstoffe in der Luft- und Raumfahrt, biokeramische Werkstoffe, Solarenergie oder Optokeramik, bekräftigt Klein. „Das ist kein wissenschaftlicher Standard und wurde bislang in Ausbildung und Lehre nicht in dieser Form behandelt“, unterstreicht der Professor. „Damit werden wir noch zukunftsfähiger“, ist er sicher.

Bereits zum Sommersemester hat der Westerwald-Campus den Studiengang Werkstoffkunde auf den Bachelor umgestellt, der nach sieben Semestern erreicht wird. Der neue Master-Studiengang ist ab Herbst offen für alle Universitäts- und Fachhochschulabsolventen, die ein ingenieur- oder naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen und den Bachelor in der Tasche haben. „In der Ausbildung und Forschung arbeiten wir eng mit dem Forschungszentrum Jülich und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln zusammen“, sagt Klein. Auch die Kontakte zur Wirtschaft und Industrie sind blendend. Die FH kooperiert mit rund 120 Firmen in Deutschland und der ganzen Welt. Klein: „Keramik ist ein Material mit Zukunft. Immer mehr metallische Werkstoffe oder Kunststoffe werden durch Keramik ersetzt.“ So bestehen etwa Solarzellen aus einem keramischen Material; und auch Bremsscheiben werden aus Keramik gefertigt. Dadurch sind sie nur halb so schwer wie herkömmliche Bremsscheiben, aber so hart wie Diamant. „In diesem Bereich werden Fachkräfte gebraucht. Unsere Studenten schreiben ihre Diplomarbeiten bei Firmen, die mit uns kooperieren, und haben alle nach dem Studium einen sicheren Job“, ist der Campus-Leiter zufrieden. „Wir bilden bedarfsgerecht aus. Das ist unser Vorteil“, sagt er.

„Mit dem Bachelor- und Master-Abschluss werden wir unser Ziel, dass am Westerwald-Campus langfristig 200 junge Menschen studieren, auch erreichen“, ist Klein sicher. Damit ist der Standort Höhr-Grenzhausen trotz immer wieder kursierender Gerüchte sicher. „Der Westerwald-Campus steht nicht zur Disposition“, sagt Klein. „Nach der Bemessungsgrundlage müssten wir 165 Studenten haben. Das werden wir locker erreichen“, ist der Campus-Leiter zuversichtlich. Bereits jetzt sind am Westerwald-Campus 160 Studenten eingeschrieben.

Hinzu kommt: Die FH Höhr-Grenzhausen ist in das Verbundnetz des Bildungs- und Forschungszentrums Keramik in Höhr-Grenzhausen eingebunden, ist Bestandteil des Innovationsclusters Metall-Keramik-Kunststoff und arbeitet eng mit dem Forschungsinstitut Glas und Keramik, dem CeratechCenter oder dem Institut für Künstlerische Keramik zusammen. „Das ist eine einzigartige Konzentration von Institutionen, die einander ergänzen“, sagt Klein.

Auch die Präsidentin der FH Koblenz, Prof. Ingeborg Henzler, sieht den Standort Höhr-Grenzhausen nicht in Gefahr und bekennt sich klar zum Westerwald-Campus. „Die Sorge ist zwar berechtigt, ob es uns angesichts der demografischen Entwicklung gelingt, den Ingenieurnachwuchs zu garantieren, indem wir junge Menschen für dieses Studium begeistern“, räumt sie ein. Doch auch wenn sich ein Standort unter Rationalisierungsgründen vielleicht nicht rechne, müsse man an Leuchttürmen wie dem Westerwald-Campus festhalten, sagt sie ganz klar. „In Höhr-Grenzhausen haben wir eine einzigartige Ballung von Kompetenzen mit enormen Synergieeffekten. Das darf man nicht infrage stellen.“

Westerwälder Zeitung vom Montag, 30. Mai 2011, Seite 9, Stephanie Kühr