Erstes deutsches Mitglied für keramisches Städtenetzwerk

Höhr-Grenzhausen bewirbt sich für keramischen Kommunen-Verbund auf europäischer Ebene

Als erste deutsche Stadt wird Höhr-Grenzhausen Mitglied im Städtenetzwerk für Innovation in Keramik (Urban Network for Innovation in Ceramics, kurz Unic) mit Sitz im französischen Limoges. Das 2008 gegründete Netzwerk möchte einen Austausch europäischer Städte herbeiführen, die in vielfacher Hinsicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung in der Keramik verbunden sind. Der Stadtrat votierte in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich für die Bewerbung um eine Vollmitgliedschaft in Unic.

Stadtbürgermeister Michael Thiesen hatte für die Unic-Mitgliedschaft geworben und die damit verbundenen Vorteile herausgestellt. Uwe Christian Finke, Andreas Erdmann, Stephan Bläsner (alle SPD) und Michael Stahl (FWG) sprachen sich ebenfalls für die Bewerbung für Unic aus. Erhard Schäfer (CDU) hatte Bedenken, was mit der Mitgliedschaft auf die Kannenbäckerstadt zukomme. Doris Holste-Klebula (Grüne) bat um detailliertere Informationen darüber, was Unic bisher Positives erreicht habe. Dazu konnte die Verwaltung jedoch keine Aussagen machen.

Die Stadt erhofft sich von der Aufnahme in Unic neue Impulse in der Keramik. Durch den Austausch mit anderen Institutionen und die Steigerung des Bekanntheitsgrades soll der Froschungs-, Bildungs- und Entwicklungsstandort weiter etabliert werden. Auch touristisch kann Höhr-Grenzhausen profitieren.

Der Aufgabenschwerpunkt von Unic ist derzeit die Schaffung einer „Europäischen Keramikstraße“. Gleichzeitig wird an einer Weltstraße der Keramik gearbeitet. Ziel ist dabei die europäische Vernetzung von lokalen Keramikstrecken sowie die Zusammenfassung von kulturellen und industriellen Sehenswürdigkeiten. Unic-Vertreter aus Limoges, die die Kannenbäckerstadt anlässlich von „Höhr-Grenzhausen brennt Keramik“ besucht haben, sprachen sich aufgrund der vorhandenen „Kannenbäcker-Straße und der Vielfältigkeit des keramischen Spektrums ausdrücklich für die Mitgliedschaft aus. Zukünftige Aktivitäten sollen neben der Touristik sowie der künstlerischen und traditionellen Keramik über das Bildungs- und Forschungszentrum Keramik koordiniert werden. Dafür soll ein lokaler Aktionsplan erstellt werden.

Die Vollmitgliedschaft im keramischen Städtenetzwerk kostet jährlich 2500 Euro. Für weitere anfallende Kosten werden pro Jahr 5000 Euro im Haushaltsplan veranschlagt.

Die Ziele von Unic

Förderung von Innovation in der Keramik, kultureller und künstlerischer Potenziale, der Beziehungen zu europäischen Behörden; Stärkung der lokalen Keramikindustrie; städtische Integration; Tourismusförderung; Imageverbesserung der Keramikstädte; Förderung und Austausch in der Keramik (Bildung, Forschung, Entwicklung, Technologietransfer)

Hintergrund

UNIC - Urban Network for Innovation in Ceramics. Dieses von der Stadt Limoges initiierte Projekt ist Teil des europäischen Programms URBACT zur Förderung des Erfahrungsaustauschs zwischen europäischen Städten. Neben Limoges gehören zu diesem Netz die Städte Aveiro (Portugal), Delft (Niederlande), Castellón (Spanien), Stoke-on-Trent (Großbritannien), Faenza (Italien), Pécs (Ungarn), Cluj Napoca (Rumänien) und Sevilla (Spanien).

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 5. Juli 2012, Seite 20, Natalie Simon